Geschichte der Hämodialyse
Hämodialyse - von den Anfängen bis zur Gegenwart
Wenn der menschliche Körper Symptome von Urämie (Harnvergiftung) aufweist, ist dies Zeichen einer Unterfunktion oder gar eines Ausfalls der lebenswichtigen Nierenorgane. Die griechische Herkunft des Wortes zeugt davon, dass die Kenntnis um dieses Krankheitsbild wesentlich älter ist als die Möglichkeit, Menschen in dieser lebensbedrohlichen Situation wirksam zu behandeln.
Erst in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben Forscher die wissenschaftlichen Grundlagen geschaffen, auf deren Erkenntnisse hin schließlich erste therapeutische Versuche stattfanden. Zu verdanken ist dieser Fortschritt den beharrlichen Medizinern und Naturwissenschaftlern, die mit ihren Entdeckungen und Erfindungen den Weg für jene über die Jahrzehnte immer weiter verbesserte Technologie gebahnt haben.
Auf den folgenden Seiten dokumentieren wir die spannende Geschichte der Hämodialyse und der künstlichen Niere (Dialysator); Erfindungen, die helfen, das Leben und die Lebensqualität von mehr als 1,2 Millionen Hämodialyse-Patienten in aller Welt zu sichern.
Historische Grundlagen der Hämodialyse
Die heutigen Verfahren zur Behandlung des Nierenversagens bedienen sich physikalischer Prozesse wie Osmose und Diffusion, die in der Natur beim Transport von Wasser und gelösten Substanzen universell verbreitet sind.
Die erste wissenschaftliche Beschreibung dieser Vorgänge stammt von dem berühmten schottischen Chemiker Thomas Graham, der damit als „Vater der Dialyse “gilt und der den Begriff prägte. Osmose und Dialyse waren zunächst als Methoden von Bedeutung, die im chemischen Labor die Trennung von gelösten Stoffen sowie das Entfernen von Wasser aus Lösungen mittels halbdurchlässiger („semipermeabler“) Membranen ermöglichten. Weit vorausschauend wies Graham in seinen Arbeiten auf die Anwendungsmöglichkeiten dieser Vorgänge in der Medizin hin.
Im Jahre 1855 veröffentlichte der deutsche Physiologe Adolf Fick eine quantitative Beschreibung des Diffusions-vorganges. Es dauerte interessanterweise weitere 50 Jahre, bis kein Geringerer als Albert Einstein die empirisch abgeleiteten Diffusionsgesetze thermo-dynamisch exakt aus der Brownschen Molekularbewegung herleitete und damit auf ein solides wissenschaftliches Fundament stellte. Jedoch erarbeiteten bereits Graham und Fick die Grundlagen, die in der weiteren Geschichte zu den heutigen Behandlungsverfahren beim Nierenversagen führen sollten.

Der Beginn der Dialyse: John J. Abel und Georg Haas


Es wurde vielfach diskutiert, wann und in welchem Umfang Haas die Arbeiten der Forschergruppe um John Abel gekannt hat – auch dieser Umstand lässt sich nicht mehr zweifelsfrei feststellen. Es kann davon ausgegangen werden, dass Haas seine vorbereitenden Experimente aus den Jahren seit 1914 wegen der Kriegswirren ohne Kenntnis der Abelschen Arbeiten ausführte, danach aber wohl über diese informiert gewesen sein muss.
Wie Abel benutzte auch Haas bei seinen ersten Dialysen Hirudin als gerinnungshemmendes Mittel. Da diese Substanz von einer dem Menschen weit entfernten Spezies stammt und nur unzureichend gereinigt wurde, führte dies häufig zu massiven Komplikationen aufgrund allergischer Reaktionen. Schließlich setzte Haas in seinem siebten und letzten Experiment eine Substanz mit Namen Heparin ein. Heparin ist die universell gerinnungshemmende Substanz bei Säugetieren und wurde erstmals im Jahre 1916 durch den US-Amerikaner MacLean aus Hundelebern isoliert. Obgleich auch diese Präparationen noch unzureichend gereinigt waren, verursachten sie weniger schwere Komplikationen als Hirudin und konnten vor allem in größeren Mengen hergestellt werden. Nach der Entwicklung effektiver Reinigungstechniken im Jahre 1937 gilt Heparin auch heute noch als das Mittel der Wahl zur notwendigen Gerinnungshemmung.
Die erste erfolgreiche Dialysebehandlung: Willem Kolff


Bewährungsprobe bestanden: Die Kolff-Brigham-Trommelniere

Dialyse und Ultrafiltration: Nils Alwall

Weitere Entwicklungen

Der Blutzugang und die chronische Dialyse

Der jedoch für den Blutzugang in der Dialyse entscheidende Durchbruch im Jahre 1966 geht auf Brescia, Cimino und Mitarbeiter zurück, deren Arbeiten auch heute noch von elementarer Bedeutung für die Dialyse sind. Brescia und seine Mitarbeiter verbanden in einer chirurgischen Prozedur eine geeignete Arm-Arterie mit einer nahe liegenden Vene. Diese Vene war nicht auf die hohen arteriellen Blutdrücke eingestellt: Daher „arterialisierte“ sie, das heißt, sie vergrößerte sich stark. In diese unter der Haut liegende arterialisierte Vene konnten dann Nadeln eingeführt werden, die den wiederholt erforderlichen Blutzugang erlaubten. Diese Technik verringerte das Infektionsrisiko des Gefäßzuganges entscheidend und erlaubte eine Dialysebehandlung über viele Jahre hinweg. Die so genannte „arterio-venöse (AV) Fistel“ ist auch heute noch der Gefäßzugang der Wahl bei Dialysepatienten. Einige AV-Fisteln wurden vor über 30 Jahren bei Dialysepatienten angelegt und sind noch heute im Einsatz.
Die Entwicklung, die mit der Einführung des Scribner-Shunts begann, ermöglichte es, Patienten mit chronischem Nierenversagen langfristig zu behandeln. Im Frühjahr 1960 wurde dem US-Amerikaner Clyde Shields bei Belding Scribner in Seattle ein Shunt gelegt: Damit wurde er der erste chronische Hämodialyse-Patient. Shields überlebte mit seinem chronischen Nierenversagen die folgenden elf Jahre dank der Dialyse; er starb 1971 an einer kardiologischen Erkrankung.


Die moderne Hämodialyse: Erste Hohlfaserdialysatoren im Einsatz





